
Wie gelingt die erfolgreiche Etablierung von Agroforstsystemen im trockenheitsgeprägten Brandenburg? Mit dieser Frage beschäftigte sich unser Feldtag „Agroforst nachhaltig etablieren“, der am 24. Juni auf der Fläche der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ in Betzin stattfand. Bei sommerlichem Wetter kamen über 50 interessierte Teilnehmer*innen aus Praxis, Wissenschaft und Verwaltung zusammen, um das 2025 angelegte Agroforstsystem zu besichtigen, mögliche Erfolgsfaktoren für die Etablierung von Bäumen auf dem Acker zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.
Prof. Ralf Bloch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) stellte das Projekt „Roots & Robots“ und die Projektpartner vor, die seit 2025 rund 500 Bäume auf den Acker gepflanzt haben. Hier auf der Projektfläche der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ sind es 240 junge Esskastanien- und Walnussbäume, die auf einer Fläche von 6,5 Hektar in Streifen zwischen Ackerkulturen gepflanzt wurden. Wie der Betrieb auf den Baum und zum Projekt Roots & Robots kam, erklärte Hannes Deter-Tornow, Betriebsleiter und Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft.
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand die gemeinsame Feldbegehung mit mehreren Stationen auf der Projektfläche. Zusammen mit Tommy Lorenz, Agroforstberater und Baumpfleger, besichtigten die Teilnehmenden das silvoarable Agroforstsystem. Das System wurde im Alley Cropping Design angelegt, was bedeutet, dass die Bäume in Streifen gepflanzt wurden. Jeweils 18 m zwischen den einzelnen Baumstreifen werden für den Ackerbau genutzt. Derzeit steht dort Roggen, der den Bäumen Schatten spendet und sie vor Wind schützt. Später soll es einmal andersherum sein.

Innerhalb der Baumstreifen wechseln sich Esskastanie und Walnuss zufällig ab. Ein randomisiertes Blockdesign soll die Vergleichbarkeit der wissenschaftlichen Ergebnisse verbessern. Dr. Cornelia Rißmann von der HNEE erklärt, welche Einflussfaktoren in diesem Feldversuch unter Realbedingungen untersucht werden. Sie zeigt den Teilnehmenden die verschiedenen Wurzelqualitäten, die für die Pflanzungen verwendet wurden und erklärt, weshalb die Vermutung naheliegt, dass die sogenannte Air Pruning Ware besser mit den trockenen Bedingungen auf dem Ackerstandort zurechtkommt als die herkömmliche Pflanzware. Besonders viele und reichverzweigte Feinwurzeln könnten den entscheidenden Unterschied machen, so die Hypothese. Neben dem Einfluss der Aufzuchtverfahren und der damit verbundenen Wurzelqualität wird auch untersucht, ob Mykorrhizasporen und wasserspeichernde Pflanzgele einen positiven Effekt auf das Anwachsen der Jungbäume haben. Dr. Cornelia Rißmann zeigt, wie das Mykorrhizagranulat aussieht und erklärt die Unterschiede zwischen ligninbasierten und chemisch hergestellten Gelen für die zusätzliche Wasserspeicherung im Boden.
Auf besonderes Interesse stieß auch die Robotik. Rodja Trappe von der Zauberzeug GmbH stellte den Prototypen des Walzenroboters vor, der für das Beikrautmanagement im Baumstreifen entwickelt wird. Ein ferngesteuerter Roboter, mit einer Crimp-Walze ausgestattet, überfährt in der Nachmittagssonne hochgewachsenen Mohn und Kornblumen im Baumstreifen. Dort wo der Roboter seine Bahnen gezogen hat, ist die Vegetation nicht nur plattgewalzt. Die Stängel der Pflanzen sind abgeknickt. Das soll das weitere Wachstum und die Vermehrung des Beikrauts verhindern. Als natürliche Mulchschicht verbleibt es an Ort und Stelle, dient als Nährstofflieferant und vermindert die Verdunstung.
An weiteren Stationen konnten die Teilnehmenden die Besonderheiten der Projektfläche noch besser kennenlernen. An zwei begehbaren Bodenprofilen erklärte Dr. Marco Donat (HNEE) die Eigenschaften des Bodens am Betziner Mühlenberg und zeigte, wie heterogen dieser innerhalb der Projektfläche ist. Dr. Cornelia Rißmann stellte das Mühlebiotop vor, das inmitten der Projektfläche liegt und Hannes Deter-Tornow zeigte den Teilnehmenden, welche Vorteile der Anbau von Heukartoffeln hat, die am Rande des Agroforstsystems wachsen. Nach dem fachlichen Teil blieb beim gemeinsamen Ausklang mit Bionade, Langos und Bratwurst genügend Zeit für den Austausch und das Knüpfen neuer Kontakte.
Wir sind dankbar für die rege Teilnahme, das Interesse am Thema und für die interessanten Gespräche. Wieder einmal hat sich gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch ist.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden, bei der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ sowie bei den Flächeneigentümern Heike Benz und Dietmar Bellin, die diesen Feldtag möglich gemacht haben. Ein weiterer Dank gilt der Förderung des EIP-Projekts "Roots & Robots" im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI) aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit Unterstützung des Landes Brandenburg.

